Der schweizerische Bahnhersteller Stadler konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025 seinen Umsatz trotz schwieriger Rahmenbedingungen von 3,3 auf 3,7 Mrd. Franken steigern. Die Auftragseingänge lagen bei 6,1 Mrd. Franken. In Valencia musste Stadler nach der Unwetterkatastrophe die betroffenen Lieferketten zum Teil erst wieder neu aufbauen und resilienter gestalten.
ORION-Triebzug in Andermatt
Die nach der Flutkatastrophe von Valencia umgesetzten Aufholmassnahmen (wir berichteten) zeigten erste Wirkung und führten zu einer weiteren Verbesserung im zweiten Halbjahr. Dennoch wirke sich die Unwetterkatastrophe Ende Oktober 2024 und die damit verbundenen Schäden an Zulieferern und Infrastruktur weiterhin negativ auf Lieferketten, Produktion und das Ergebnis aus. Stadler war gezwungen, alternative Bezugsquellen zu erschliessen und Produktionsprozesse anpassen.
Unwetterschäden wirken nach
Die Stabilität der Lieferketten, heisst es, habe sich per Ende 2025 spürbar verbessert. Die Folgen der massiven Überschwemmung dürften jedoch voraussichtlich bis ins Jahr 2027 nachwirken. Trotz des von Stadler 2025 gestarteten Aufholprogramms habe die Flutkatastrophe Einfluss auf Kosten und Auslieferung von Schienenfahrzeugen. CHF 350 Millionen Umsatz konnten 2024 nicht geleistet werden.
Werk in Valencia
Zusätzlich zu den Unwetterfolgen in Valencia belastet die wirtschaftliche Situation in Deutschland das Ergebnis weiterhin. Stadler setzt am Standort Berlin seit Anfang 2025 konsequent sein Effizienzsteigerungsprogramm um. Ein im April 2025 unterzeichneter Zukunftstarifvertrag mit der Gewerkschaft IG Metall hilft, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Standortsicherung in Berlin
Die Stadler-Beschäftigten im Werk Berlin Pankow haben sich letztes Jahr im Gegenzug zur Standortsicherung bereit erklärt, 40 statt 38 Stunden pro Woche zu arbeiten. Das interne Effizienzsteigerungs-Programm zeigt im Werk Berlin Pankow erste Wirkung: Die Produktivität konnte über die gesamte Wertschöpfungskette erhöht werden.
Wasserstoffzug für den Ätna
Ein immer stärker werdender Schweizer Franken belaste allerdings die Exportindustrie. Diese Wechselkurssituation reduziert auch den konsolidierten Umsatz von Stadler um über 50 Mio. Franken. Stadler erwartet unterdessen, dass bis Ende Dezember 2026 der Abruf von bis zu 1500 Metro-Wagen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erfolgen wird. Dasselbe gilt für den gewonnen Auftrag der S-Bahn Berlin über 350 Züge. Die Einwohner Berlins warten seit dem Jahr 2020 auf neue S-Bahn-Züge. Der Abgabetermin für das Angebot wurde jahrelang immer wieder verschoben.
«Buy America Act» im Auge
Die von US-Präsident Trump auferlegten Zölle haben Stadler getroffen – aber nicht in vollem Ausmass. Aufgrund des «Buy America Act» muss Stadler bereits seit 2016 einen Wertschöpfungsanteil von mindestens 70 Prozent nachweislich in den USA erbringen. Ende September 2025 hat Stadler in seinem Werk in Salt Lake City eine lange vor Trump geplante eigene Aluminiumschweisserei für Wagenkasten in Betrieb genommen. Damit konnte der lokale Wertschöpfungsanteil in den USA zusätzlich erhöht werden.
In Andermatt wurde der erste mit einem weltweit neuen Zahnradbremssystem «v+» ausgerüstete ORION Triebzug von MGBahn und Stadler vorgestellt. Er wird auf der 181 Promille steilen Strecke Andermatt Göschenen eingesetzt und kann dank der neuen Technik mit bis zu 30 km/h statt bisher 21 km/h sicher bergab fahren.
Vertragsabschluus mit der FCE
Rund um die Vulkanlandschaft des Ätna fahren künftig Stadler-Wasserstoffzüge. Die Bahngesellschaft Ferrovia Circumetnea (FCE) hat zwei massgeschneiderte Schmalspurzüge mit Wasserstoffantrieb bestellt. Stadler ist Marktführer bei Alternativantrieben. Kein Hersteller verkauft in Europa mehr Schienenfahrzeuge mit nachhaltigen, CO2-freien Batterie- und Wasserstoffantrieben.
Für das Geschäftsjahr 2026 und die folgenden Jahre bestätigt Stadler die Erwartung eines Umsatzes von deutlich über 5 Mrd. Franken. CEO Markus Bernsteiner: «Unsere Anstrengungen nach den Umweltkatastrophen haben sich gelohnt. Die Kombination aus einem sehr soliden Auftragsbestand, stabileren Lieferketten und dem konsequenten Effizienzsteigerungsprogramm zeigt Wirkung.»

















